Gesundheitswesen · Bedrohungslage

01 Bedrohungsanalyse

Bedrohungslage für Krankenhäuser und Einrichtungen des Gesundheitswesens

Krankenhäuser verbinden Eigenschaften, die Angreifern entgegenkommen: ständige Zugänglichkeit, hoher Publikumsverkehr, schutzbedürftige Personen, hochwertige Güter und ein Betriebsablauf, der Störungen schlecht verzeiht. Wer schützen will, muss die reale Lage kennen – deshalb arbeitet diese Seite ausschließlich mit belegten Zahlen und nennt die Quellen dazu.

Kurzantwort: Wie sicher sind deutsche Kliniken?

Die Gewaltbelastung des Klinikpersonals ist dokumentiert hoch: 66 % der befragten Krankenhäuser sehen eine deutliche Zunahme von Gewalt in den vergangenen fünf Jahren, mehr als 90 % meldeten körperliche oder schwerwiegend verbale Übergriffe innerhalb von zwölf Monaten. Die Polizeiliche Kriminalstatistik erfasst Straftaten in Krankenhäusern nicht als eigene Kategorie – belastbare Aussagen kommen deshalb aus Fachgesellschaften und Branchenbefragungen, nicht aus der PKS.

Quellen: DKG/DKI-Repräsentativbefragung (April 2024); BKA-Polizeiliche Kriminalstatistik (Tatortkatalog ohne gesonderte Kategorie „Krankenhaus“).

Videoüberwachungskamera an einer modernen Krankenhausfassade
Perimeter und Zugänge: Der erste Filter gegen Vandalismus, unbefugten Zutritt und Störungen.

1. Vandalismus und Sachbeschädigung

Sachbeschädigung ist im Gesundheitswesen kein Kavaliersdelikt: Zerstörte Notrufsysteme, beschädigte Fahrzeuge auf Parkflächen oder demontierte Außenanlagen verursachen Reparaturkosten, Ausfallzeiten und im ungünstigsten Fall eingeschränkte Versorgungsfähigkeit. Bundesweit registrierte die Polizei im Jahr 2024 rund 562.108 Fälle von Sachbeschädigung (PKS 2024, veröffentlicht April 2025); 2023 lag die Zahl vergleichbar hoch. Für ein einzelnes Haus zählt nicht die Bundesstatistik, sondern die eigene Belastung: Eine objektbezogene Ereignisanalyse gehört deshalb an den Anfang jedes Konzepts.

Die PKS weist Straftaten in Krankhäusern nicht als eigene Kategorie aus. Wer Ihnen „Krankenhaus-Kriminalstatistik“ mit scheinbar exakten Fallzahlen präsentiert, verkauft Hochrechnungen als Fakten. Wir arbeiten deshalb mit Quellen, die ihre Erhebungsmethode offenlegen.

2. Übergriffe auf Mitarbeitende

Die belastbarsten Daten zur Gewalt im Gesundheitswesen liefern Branchen- und Fachgesellschafts-Befragungen:

Gewalterfahrungen von Beschäftigten im Gesundheitswesen

Kliniken mit deutlicher Zunahme von Gewalt in 5 Jahren (DKG/DKI 2024)66 %
Kliniken mit körperlichen/schweren verbalen Übergriffen in 12 Monaten (DKG/DKI 2024)> 90 %
Notaufnahme-Personal mit regelmäßiger verbaler Gewalt (DGINA/DIVI)94–98 %
Notaufnahme-Personal mit erlebter körperlicher Gewalt (DGINA/DIVI)> 70 %
Beschäftigte im Patientenumfeld mit verbaler Aggression in 12 Monaten (UBPAK/BAuA)70–80 %
beschäftigte Gesundheitsarbeiter weltweit mit körperlicher Gewalt im Berufsleben (WHO)8–38 %

Balken zeigen die obere bzw. mittlere Spanne der jeweiligen Erhebung. Quellen: DKG/DKI-Repräsentativbefragung „Gewalt gegen Klinikpersonal“ (April 2024, n ≈ 250 Allgemeinkrankenhäuser); DGINA/DIVI-Studienlage zur Notaufnahme (2020–2025); UBPAK-Studie „Gewalt gegen Beschäftigte im Gesundheitswesen“ (BAuA, 2019/2020); WHO-Faktenblatt „Preventing violence against health workers“ (8–38 % körperliche Gewalt im Berufsleben, bis 62 % jede Form von Arbeitsplatzgewalt).

Betroffen sind vor allem Notaufnahmen, Rettungsstellen, Psychiatrien und Intensivbereiche – und dort überproportional pflegendes Personal. Personalgewinnung, Arbeitszufriedenheit und Behandlungsqualität hängen nachweislich an einem sicheren Arbeitsumfeld: Wer Sicherheit plant, plant Personalkosten mit.

3. Störungen des Betriebsablaufs

Nicht jede Bedrohung ist eine Straftat. Fehlalarme in der Brandmeldeanlage blockieren Aufzüge und OP-Abläufe, unbefugt betretene Technikräume gefährden die Versorgung, Blockaden von Zufahrten verzögern Rettungsdienste. Und längst hat die physische Sicherheit eine digitale Vorzone: Der Ransomware-Angriff auf das Universitätsklinikum Düsseldorf (September 2020) zwang die Klinik, die Notfallversorgung für 13 Tage auszusetzen – ein Patient musste ausgelagert werden und verstarb; die Staatsanwaltschaft ermittelte deshalb weltweit erstmals im Zusammenhang eines Cyberangriffs wegen eines Todesfalls. Beim Klinikum Fürth (November 2021) war die Notaufnahme wochenlang eingeschränkt. Das BSI bewertet Ransomware als die zentrale operative Bedrohung für Krankenhäuser und schätzt, dass 10 bis 15 % der deutschen Häuser in den letzten Jahren betroffene IT-Vorflächen aufwiesen.

Für die physische Sicherheitskonzeption folgt daraus: Zutrittsschutz für Server- und Technikräume, Leitstellenprozesse, die auch bei IT-Ausfall funktionieren, und Alarmabläufe, die Angriffe auf die Verfügbarkeit als Szenario einüben.

4. Diebstahl: Betäubungsmittel, Geräte, Material

Krankenhäuser lagern hochwertige und strafrechtlich sensible Güter: Opioide und Betäubungsmittel, kündbare Medizinprodukte, Edelmetalle in Laboren, Kupfer in Außentracings. Bundesweit wurden 2024 rund 1,94 Mio. Diebstahlsdelikte registriert (PKS 2024). Zutrittskontrolle, revisionssichere Lagerung und dokumentierte Abgabe-Wege sind im Krankenhaus zugleich Sicherheits- und Arzneimittel-Thema – die Schnittstelle zu Apotheken- und BTM-Verantwortlichen gehört in jedes Konzept.

5. KRITIS: rechtliche Einordnung

Das Gesundheits­wesen gehört zu den kritischen Sektoren. Die BSI-Kritisverordnung (BSI-KritisV) führt unter der Kategorie „Medizinische Versorgung“ Krankenhäuser ab 30.000 vollstationären Behandlungsfällen pro Jahr als KRITIS-Anlagen. Nach § 8a BSIG müssen Betreiber angemessene Schutzmaßnahmen umsetzen und alle zwei Jahre Nachweise erbringen. Mit dem NIS-2-Umsetzungsgesetz und dem KRITIS-Dachgesetz, die 2026 in Kraft traten, erweitern sich Risiko-, Nachweis- und Meldepflichten über die klassische Schwelle hinaus auf weitere Einrichtungen des Gesundheitswesens.

SecuConCept plant die physische Resilienz: Zutritt, Perimeter, Detektion, Alarmabläufe, Intervention und Dokumentation. Die IT-Sicherheit selbst ist Gegenstand spezialisierter Dienstleister – Schnittstellen zwischen beiden Welten denken wir konsequent mit.

Bedrohungen und Gegenmaßnahmen im Überblick

BedrohungTypisches ZielErgebnis ohne SchutzAntwort im Konzept
VandalismusFassaden, Außenanlagen, Fahrzeuge, MöblierungReparaturkosten, Schließungen, ImageverlustPerimeterschutz, Video nach DIN EN 62676, Revierdienste
ÜbergriffeNotaufnahme, Triage, Psychiatrie, NachtdienstPersonalschäden, Krankenstände, AbwanderungDeeskalation, Alarmierung, Präsenz, Panik- und Überfalltechnik (DIN EN 50131)
BetriebsstörungTechnikräume, Leitwege, Aufzüge, ZufahrtenAusfälle, Behandlungsverzögerung, RegressZutrittskonzept, Schließdienst, Gefahrenmeldetechnik (DIN VDE 0833)
DiebstahlBTM-Lager, Apotheke, OP-Logistik, AußentracingsLieferengpässe, Haftungsrisiken, UntersuchungenZonenbildung, revisionssichere Kontrolle, Nachweis-Dokumentation
Cyangriff mit physischen FolgenLeitstelle, Netzwerkräume, MedizintechnikNotfall-Aussetzung (Beispiel UKD Düsseldorf 2020)Zutrittsschutz, Redundanz, papiergestützte Alarmabläufe
KRITIS-NachweispflichtOrganisation, DokumentationBußgeldrisiken, Audit-BefundeSchutzkonzeption und Nachweisführung nach § 8a BSIG

Risiken Ihres Objekts mit Zahlen einordnen

Eine Ereignisanalyse vor Ort zeigt, welche der beschriebenen Bedrohungen Ihr Haus tatsächlich treffen – und welche Maßnahmen den größten Schutz pro investiertem Euro bringen.